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Stürmertyp der besonderen Art


Es gibt viele unterschiedliche Stürmertypen, die jeder in Fußballkreisen kennt. Da ist der Konterstürmer, der im vollen Lauf den Ball mitnehmen kann und eine große Spielübersicht besitzt; der Flügelstürmer mit hoher Grundschnelligkeit, präziser und wuchtiger Flanken, aber auch mit gefährlichem Torabschluss; der Mittelstürmer, der den Ball abschirmen kann, die Lücken in der gegnerischen Abwehr findet, dribbelstark ist und eiskalt mit dem Torschuss oder Kopfball abschließt; der Halbstürmer, der Jokerstürmer, der Aushilfsstürmer usw.

Aber der König der Stürmer ist immer seltener anzutreffen, da auch die Stürmer mit immer mehr Laufarbeit konfrontiert werden. In den meisten Fällen ist dies richtig, aber es gibt Ausnahmespieler, die davon befreit werden müssen, ansonsten werden diese Fußballer nie ihr maximales Leistungsvermögen erreichen.
Dieser Spielertyp wird von den meisten Trainern eher nicht erkannt und im Training und Wettspiel mit falschen Übungen und taktischen Einstellungen belastet.
Zuletzt sah ich (Wolfgang Schnepper) einen solchen Stürmer in der Verbandsliga. Er lief etwa im ganzen Spiel 2 km und hatte einen Aktionsradius eines „Kanaldeckels“.
Befand sich aber der Ball in seiner Nähe, explodierte dieser Mittelstürmer förmlich und wenn er den Ball bekam, sah er nur noch das Tor und den Abschluss.
Ein bis zwei Tore schoss dieser Spieler durchschnittlich pro Spiel. Er war auf den ersten zehn Metern viel schneller als die Gegenspieler und besaß eine riesige Schusskraft.

Besitze ich einen solchen „Wunderstürmer“, der mir 20 – 50 Tore pro Saison garantiert, aber an Wirksamkeit verliert, weil seine Laufwege und Aufgabenbereiche durch taktische Maßnahmen oder Positionsveränderung zugenommen haben, muss ich diesen Spieler von solchen Zusatzaufgaben entlasten und nur als Stürmer aufstellen, ansonsten wird eine taktische Anordnung zu einem Bumerang.
Es ist natürlich klar, dass ein solcher Spieler nicht in ein 4-6-0 System passt, wie z.B. in die spanische Nationalmannschaft. Es ist auch klar, dass dieser Stürmertyp es gegen nationale oder internationale Top-Abwehrspieler sehr schwer hat, aber diese Extreme lassen wir hier außen vor.

Warum gibt es einen solchen Spielertyp?

Wir geben hier kurz eine physiologische Erklärung ab, warum bestimmte Athleten nicht ständig mit vielen Laufwegen und kämpferischen Aktionen konfrontiert werden dürfen.
Manchmal beobachten wir Stürmer, die uns „lauffaul“ erscheinen, die aber förmlich explodieren, sobald sie in Ballnähe oder Ballbesitz sind. Diese Spielertypen sind extrem antrittsschnell und kaum vom Ball zu trennen.

Aber was unterscheidet diese Spieler körperlich von anderen?
Jeder Mensch besitzt langsame oder schnelle Muskelfasern, die langsamen sind gut für Ausdauerleistungen und die schnellen für Schnellkraft und Schnelligkeit.
Es gibt nun Stürmer, die überwiegend schnelle Muskelfasern in der Beinmuskulatur haben und damit den anderen Spielern an Schnelligkeit, Sprungkraft und Schusskraft weit überlegen sind (Voraussetzung ist natürlich eine gute Koordination und bei der Schusskraft eine gute Technik).
Konfrontiere ich diesen Spieler nun permanent mit Laufleistungen, übersäuern und ermüden diese Athleten und verlieren an Torgefährlichkeit, bis hin zur „Torharmlosigkeit“.

Der Trainer muss solche Ausnahmespieler erkennen und dementsprechend in seine taktischen Maßnahmen einbauen, damit solche spielentscheidenen Athleten nicht durch eigene Maßnahmen blockiert werden.
Auch im Training werden diese Spieler nicht ständig mit harten, übersäuernden Trainingsübungen belastet, weil sonst die Dynamik darunter leidet.

Um dies zu verdeutlichen, stellen wir uns Folgendes vor:
Trainiere ich einen 100m Sprinter zusätzlich regelmäßig mit harten Ausdauereinheiten, wird dieser über 100m bis zu einer Sekunde und mehr langsamer laufen.
Hier kann der Autor, Wolfgang Schnepper, aus eigener Erfahrung sprechen. Als er vom Fußball zum Triathlon wechselte, verschlechterte sich seine 100m Zeit innerhalb von einem halben Jahr von 11,3s auf 12,2s und nach vier Jahren auf 13,2s (dieser Prozess ist zum Glück umkehrbar).

An einer harten Saisonvorbereitung auch im Ausdauerbereich müssen allerdings immer alle Spieler teilnehmen, damit eine konditionelle Grundlage für die Saison geschaffen wird.

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